Inspiration Porn – Behinderung und Medien

Heute möchte ich über ein Problem schreiben, was häufig in der Berichterstattung über behinderte Menschen in den Medien entsteht.
Wenn über Behinderte in den Medien berichtet wird, werden diese häufig in eine Opferrolle gedrängt.
Es werden Probleme aufgezeigt, die diese Menschen im Alltag haben.
Alles mit dem Ziel, den Leser oder Zuschauer aufzubauen und zu zeigen, dass es Leute gibt, die es augenscheinlich schwerer haben als er.
So etwas bringt Quote.
Zusammengefasst wurde dieses Phänomen einmal unter dem Begriff „Inspiration Porn“.

Vor kuzem habe ich eine Reportage gesehen, in der ein Reporter einen Mann im Rollstuhl einen Tag begleitet hat und sich selbst in die Rolle des Rollstuhlfahrers begeben hat, um zu testen, „wie das ist“.
Sie stand unter dem Motto „Leben im Rollstuhl“.

Ich sehe solche Reportagen sehr kritisch.
Angefangen beim Titel, da es nicht „das Leben im Rollstuhl“ gibt. Jeder Mensch ist individuell und lebt sein eigenes Leben.
Der eine kommt mit einer Behinderung eventuell sehr gut klar, da er alles so eingerichtet hat, dass er keine wirklichen Einschränkungen im täglichen Leben spürt. Und der Andere hat seine Behinderung vielleicht erst kurzfristig bekommen und muss erst lernen, damit umzugehen. Außerdem besteht das Leben sowieso nicht nur aus Rollstuhl. Er ist ein Hilfsmittel, der das Leben erleichtert.

Des Weiteren kann es prinzipiell nicht funktionieren, dass jemand einen Tag die Rolle eines Anderen einnimmt und so seine Gedanken und Gefühle nachvollziehen kann. Dafür benötigt es viel mehr Zeit, wenn es denn überhaupt möglich ist.

Also, was ist der Nutzen eines solchen Experimentes?
Ich kann keinen erkennen.

Eher im Gegenteil. Es wird lediglich eine Mitleidsrolle erzeugt, die alle Behinderten in der Gesellschaft auszubaden haben.
Niemand wird nach so einer Reportage zum Beispiel auf die Idee kommen, zu sagen, wir müssen die Welt barrierefreier gestalten. Stattdessen gibt es eventuell Schulterklopfer, dass man mit Rollstuhl unbeschadet durch die Welt kommt.

Daher sage ich: Lasst die Finger von solchen Reportagen.
Wenn man sich für das Leben oder die Probleme eines Menschen interessiert, sollte man auf ihn direkt zugehen.
So erhält man die Informationen ungefiltert aus erster Hand.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.