Der Führerschein – Eine ungeahnte Freiheit

In der Zeit des Wartens auf die Freigabe durch den Neurologen habe ich mich weiter informiert, wie die Schritte zu Führerschein und Auto aussehen und was ich zu tun habe.

Da der behindertengerechte Umbau des Autos sehr viel Geld in Anspruch nehmen würde und ich das Auto zum Erreichen meines Arbeitsplatzes benötige, habe ich bei der Agentur für Arbeit einen Antrag auf sogenannte „Förderung zur Teilhabe am Arbeitsleben“ gestellt.
Dort ist geregelt, dass es einen Anspruch auf finanzielle Nachteilsausgleiche gibt, wenn man auf das Auto aus beruflichen Gründen angewiesen ist und aufgrund einer Behinderung mit Mehrkosten gegenüber jemandem ohne Behinderung rechnen muss.
Der Umbau des Wagens wird dann komplett übernommen und es gibt einen einkommensabhängigen Zuschuss auf die Fahrzeugkosten und den Führerschein.

Außerdem habe ich mich auf die Suche nach einer Fahrschule begeben, welche eine Ausbildung mit entsprechend umgebauten Fahrzeugen anbietet.
Es ist nicht ganz so einfach, eine ortsansässige Fahrschule mit entsprechendem Angebot zu finden, ich wurde jedoch relativ schnell über das Internet fündig.

Ein paar Wochen später war es nun endlich soweit. Ich konnte zu meinem Neurologen gehen und mir das langersehnte Attest abholen.
Nun konnte ich mich wie jeder andere auch bei der Fahrschule und dem Straßenverkehrsamt anmelden.
Eine Besonderheit kam danach jedoch noch auf mich zu.
Man verlangte ein unabhängiges neurologisches Gutachten mit anschließender MPU.
Ich dachte immer, die MPU wäre nur für Verkehrssünder erfunden worden, aber egal. Also wieder los zum nächsten Neurologen und sich ausfragen lassen.
Die MPU bestand aus mehreren Reaktionstests und Verkehrsfragen, wo ich mich schon gefragt habe, wie man diese beantworten soll, ohne bisher eine Führerscheinausbildung angefangen zu haben.

Naja, schlussendlich wurde beides positiv bewertet und die normale Ausbildung konnte beginnen.
Es war eine sehr schöne Zeit und ich war beeindruckt, was es alles an Hilfsmitteln gibt, um ein Auto trotz verschiedenster Behinderungen zu bewegen.
Da die Fahrschule für mich zu weit weg war, um sie selbstständig zu erreichen, wurde ich regelmäßig zur Fahrstunde Zuhause oder am Arbeitsplatz abgeholt.
Die Theorie konnte ich online Zuhause lernen.

Alles in allem ging es relativ zügig voran. Bei der Wahl des Autos hatte ich die Auflage, dass es ein Neuwagen oder Gebrauchtwagen mit mindestens 50% Neuwert sein muss, da der Umbau ansonsten nicht finanziert werden würde. Ich schaute mich bei Autohändlern um und ließ mich bezüglich des Umbaus beraten. Da ich den Rollstuhl nicht von Hand in das Auto heben kann, entschied ich mich, ein Verladesystem auf die Rückbank einbauen zu lassen. Dies bedeutete zwar, dass ich ein Auto mit Schiebetüren benötige, es war aber meiner Meinung nach das für mich geeignetste System mit den wenigsten Nachteilen.

Nach einem Jahr war die Zeit der Ausbildung zuende und ich hatte endlich den Führerschein in den Händen. Auf das Auto musste ich leider noch ein paar Monate warten, da sich der Bau verzögerte.

Als es dann aber endlich da war, wurde ich für die ganze Warterei und die vielen Anträge mehr als entschädigt, da es die größte Freiheit bringt, die ich mir bisher vorstellen konnte und mir maximale Selbstständigkeit im Alltag gibt.

Auf der folgenden Seite gibt es weitere nützliche Informationen zum Thema Mobilität mit Handicap:

MyHandicap – Mobil sein mit Auto, Motorrad & Co.

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