Partnerschaft – Behinderung als Killer ?

Als Mensch mit Behinderung einen Partner zu finden ist nicht einfach.
Man wird bei diesem Thema gerne mal übersehen. Das Problem ist, dass das Thema „Inklusion“ in der Gesellschaft zwar schon weit vorgedrungen ist, in den Köpfen jedoch weiterhin Vorurteile gegenüber Behinderten herrschen.
Dies betrifft dann auch die Partnerwahl.

Gerade als Mann hat man häufig eine gewisse Rolle zu erfüllen.
Eine sichtbare Behinderung wird, wie das Wort schon sagt, gerne als Schwäche gesehen und somit fällt man aus dem Raster.
Wie hat es Raul Krauthausen einmal so schön ironisch gesagt: Von vielen wird man gerne als der beste Freund angesehen, mit dem man über alles reden kann. Aber wenn es um das Thema Partnerschaft geht, wird ein großer Bogen gemacht.
Auch ich habe diese Erfahrungen schon häufig gemacht.

Zum Beispiel, als ich eines Abends mal mit einer kleinen Runde von Leuten unterwegs war.
Es kam das Thema Beziehungen auf.

Spaßeshalber habe ich die Frage gestellt, ob es ein Problem wäre, wenn der Partner im Rollstuhl sitzt.
Die einstimmige Meinung war, dass sie sich dies absolut nicht vorstellen könnten.
Das klingt im ersten Moment hart.

Doch im Nachhinein frage ich mich: Was hätte ich an Ihrer Stelle gesagt? Wahrscheinlich wäre meine Antwort im ersten Moment ähnlich gewesen, da ich die Behinderung in den Vordergrund gestellt habe und damit die Einschränkungen.
Der Mensch an sich wird jedoch nicht nur durch seine Behinderung definiert.
Es gibt viele verschiedene Aspekte.

Deshalb gehört auch zu einer Partnerschaft mehr, als mit den Einschränkungen des Anderen zu leben, sondern auch seine Stärken zu schätzen.
Es ist also sehr wohl gut möglich mit Behinderung eine Beziehung zu führen. Man sollte sich nur nicht auf seine Einschränkung reduzieren lassen.
Man muss sich selber klar machen, wo die eigenen Stärken liegen.
So ist es möglich ein gewisses Selbstbewusstsein aufzubauen, um dem Anderen die eventuelle Unsicherheit zu nehmen.

3 comments Add yours
  1. hallo
    ich habe gerade den artikel aufmerksam gelesen,und muss mich etwas wundern,wie das pferd etwas von hinten gezäumt wird.ich selber hatte mehere beziehungen,war einmal verheiratet,aber ich habe mich nie auf meine querschnittslähmung reduzieren lassen. es ist schwierig den richtigen partner/in zu finden,nur es kommt auf den menschen an,und die behinderung sollte zweitrangig srin.ich bin sein 45 jahrem im rollstuhl,habe nix verdäumt,hatte viele auf und ab,aber was partnerinnen anbetraf,ganz wichtig offen und ehrlich über die behinderung sprechen.wenn jeder noch in seinem reich ist sieht es weitgerhend anders aus,als jeden tag sich mit einer behinderung auseinander setzen.ich habe fest gestellt das viele fehler in der frühphase in den zentren gemacht..man nimmt sich nicht die zeit sexualität und partnerschaft als frühreha anzusprechen.
    auch ich musste damals alles alleine ausprobieren,ich weiss von was ich rede.
    kurz und gut lernt den traumpartner/in kennen,stell den menschn in vordergrund und dann die behinderung…………………aber lasst euch mehr zeit nur wenn zwei das gleiche wollen,kann eine oder gar alte beziehung funktionieren………nochmal ehrlich sein…………….

  2. Es ist ja gut, wenn man als Latscher seine Grenzen kennt.
    Nach 32Jahren Ehe weiß ich, wovon ich rede.
    Es ist aber so, dass man an seinen Aufgaben wachsen kann,und zwar gemeinsam.
    Vorausgesetzt, das Fundament stimmt und ist gebaut aus Liebe,Vertrauen,Ehrlickeit,
    Toleranz, Vergebung. Alles Dinge, die man braucht in jeder bedeutsamen Beziehung und auch unabhängig von etwa vorhandener Behinderung. Mitleid ist fehl am Platze, aber Mitgefühl
    ist sehr wohl ein wichtiger Faktor. Klar gibt es durch etwa vorhandene Behinderungen
    in einer Partnerschaft auch Grenzen. Muss man gemeinsam prüfen, inwieweit man damit
    klar kommt oder damit leben kann. Bei uns ist es zum Beispiel so, dass ich an Taubheit grenzend
    schwerhörig bin und mein Mann ist Spastiker und als solcher kann er nicht so sauber sprechen, wie es die meisten Menschen gewöhnt sind. Auch Lautstärke kontrollieren fällt uns beiden oft schwer. Daher haben wir im Laufe der Zeit erfahren, wir werden als anstrengend wahrgenommen.
    Darum werden wir meistens selten eingeladen und in Gruppen der Kirche eher freundlich geduldet als wirklich willkommen geheißen. Man kann darüber traurig sein oder auch vor sich hin schimpfen. Ändert alles nichts. Die Menschen sind, wie sie sind. Die „Latscher“ haben ihre Ecken und Kanten und wir Behinderten auch. Nur komisch, dass man bei Normalos über manche „Ecke“ taktvoll oder grinsend hinweg sieht, die man bei Menschen mit Behinderung fast schon unverschämt findet…..und so sind mein Mann und ich den größten Teil des Jahres allein miteinander, wenn man mal von den wenigen Familientreffen und zwei meiner behinderten Freundinnen absieht. In jungen Jahren waren wir Mitglieder in Behindertenvereinen, doch dort machte mir häufig das Kommunikationsproblem zu schaffen. Darüber wollte ich mich nicht auf die Dauer immer neu ärgern, weil die Kollegen dort mich scheinbar nicht verstanden haben, was ich brauche für eine erfolgreiche Mitarbeit. Also zog ich mich zurück.
    Und mein Ehemann sagt immer, lass doch, Hauptsache zwischen uns stimmt es.
    Mittlerweile brauche ich für den profanen Alltag soviel Kraft, dass ich ganz bewußt Auszeiten einplanen muß. Aber das soll man ja sowieso machen, auch ohne Behinderung.
    Im Ganzen sag ich immer, man kann nicht alle Eventualitäten voraus planen und einschätzen…..das Leben ist voller Überraschungen,sowohl positiv wie negativ.
    Darum ist ja so wichtig, dass beide gemeinsam ihre Liebe pflegen wie ein zartes Pflänzchen.
    Dann kann es gut gehen und wahr werden, dass man zusammen bleibt im klassischen Sinne „bis dass der Tod euch scheidet.“
    Was gesellschaftlich manchmal noch als Tabu erscheint,ist eine Scheidung, denn man sagt dann oft von außen“…..wieso Scheidung,die haben doch vorher gewußt, worauf sie sich einlassen…..?“
    Muss aber nicht unbedingt (nur allein) an der Behinderung liegen, denn außer der Behinderung hat jeder Mensch auch noch einen Charackter. Doch das sehen viele Außenstehende dann lieber nicht, weil sie recht haben wollen als vermeintlich beste Freunde: „siehste, ich hab dir ja gleich gesagt, das geht nicht gut.“ Soviel dazu……Fragen? immer her damit,ich antworte gern,so gut ich kann.
    Grüssele Dorena

  3. Ich habe das Glück, mit meinem Partner seit 26 Jahren zusammen zu sein. Nach 8 Jahren unserer Beziehung kam dann die Diagnose „HSP“ also eine fortschreitende neurologische Erkrankung. Das halten viele Partner nicht aus, was da alles passiert und wie sich das Leben dadurch ändert. Viele SHG-Freunde berichteten von Trennungen nach Diagnose-Stellung…
    Wie das nun wäre, wenn ich jetzt, im Rollstuhl, nach einem Partner Ausschau halten „müsste“ kann ich nicht sagen, aber unterstütze meine „Vor-Schreiber“ in deren positiven Worten, dass man sich seine Unzulänglichkeiten nicht dauernd vor Augen führen soll sondern den Fokus auf das Gute richten soll. Nur wenn man sich selbst ok findet, kann das auch ein anderer tun. Und wenn man in Angst und Sorge bzgl Zukunft zergeht, strahlt man das aus und schwappt auf das Gegenüber über 😉 Also sich selbst gut finden ohne Überheblichkeit und Arroganz, wenn man sich in seiner Situation gut annehmen kann steigt sicher die Chance, dass das jemand anderes auch tun kann. Und wenn dann noch Amors Pfeil trifft – Glückwunsch! Alles Liebe!!

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